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an der ETH Zürich
15.-17.März 2012
Die Konstitution des Wissens im 19. und 20. Jahrhundert wurde durch Konzepte und Verfahren der Anverwandlung bestimmt: Imitation, Assimilation und Transformation avancierten nach 1800 zu Schlüsselkategorien zunächst physiologischer und biologischer, später soziologischer und psychologischer Modelle. Die Aufklärung hatte im 18. Jahrhundert mit der Forderung nach Loslösung von geistiger Abhängigkeit und dem daran anschliessenden Projekt der Erziehung zu selbstverantwortlichem, rationalem Handeln die ‚unoriginellen’ Praktiken der Nachahmung gegenüber dem Streben nach ‚Originalität’ abgewertet. Im 19. Jahrhundert kehrten die (für obsolet erklärten) ästhetischen Prinzipien der Anverwandlung auf unerwartetem Terrain wieder: im Reich der Natur, das gemäss den Koordinaten des fortgeschrittenen 19. Jahrhunderts auch die Natur des Menschen und die globale Erfahrung von kultureller Alterität, äusserer Migration und ‚innerer’ Diaspora einschloss. Zwei Verschiebungen kennzeichneten die neue Lage: Der ‚Mensch’ fand sich erstens wieder in einem biologischen Kontinuum der Gattungen und zweitens auf einem globalen Schauplatz der Kulturen, der durch ‚Sesshafte und Mobile’ bevölkert ist. Neue Wissenschaften wie die vergleichende Anatomie identifizierten die Natur als Arena von Geschichte und fassten den Abstand zwischen Mensch und Tier nur noch zeitlich. Geo- und ethnographische Forschungsreisende und die Protagonisten der ‚kolonialen Situation’ konstruierten einen globalen Raum ethnischer Differenzen, in dem die Grenzen von Anverwandlung verhandelt wurden.
Das interdisziplinär angelegte Projekt geht davon aus, dass nach 1800 ‚Ähnlichkeit’ als Formtypik und Organisationsform des Wissens neben dem Denken in Dichotomien zunehmend an Bedeutung gewann: Anverwandlung wurde zu einem elementaren Phänomen – bis heute. Mit den Mitteln der Wissenspoetik, der philosophischen Rekonstruktion und der kulturgeschichtlichen Analyse werden Epistemologien, Semantiken und Praktiken der Anverwandlung anhand politisch umstrittener Gegenstände untersucht: der jüdischen Assimilation, der (post)kolonialen Authentizität sowie der ethnographischen Repräsentation. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Imitation, Assimilation und Transformation als interdiskursivem Phänomen, das Wanderbewegungen zwischen unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen und gesellschaftlichen Feldern mit einschliesst.
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